Das Angeln
Nein, und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut FAO (SOFIA-2024) sind weltweit 50,5 % der im Jahr 2021 bewerteten kommerziellen Fischbestände (1) vollständig ausgebeutet, was eine weitere Intensivierung ausschließt, 37,7 % sind überfischt. Nur 11,8 % der Bestände gelten heute als „unterfischt“.
(1) Ein Bestand ist eine Fischpopulation (oder ein Teilbestand), die in einem bestimmten geografischen Gebiet vorkommt, keinen oder nur einen geringen Austausch mit benachbarten Beständen aufweist (P. Cury – IRD) und daher separat bewirtschaftet werden kann. Die Grenzen eines Bestands werden durch eine Vereinbarung festgelegt.
Weil die Fischerei uneingeschränkt ausgebaut wurde, in der Überzeugung, das Meer sei unerschöpflich. Entgegen der oft verwendeten Begrifflichkeit ist die Fischerei keine Produktion. Es handelt sich um eine „Entnahme“, die von einer natürlichen Ressource und einem Gebiet abhängt. Weil wir diese grundlegenden Tatsachen leider ignoriert haben, ist der aktuelle allgemeine Zustand der Fischbestände weltweit besorgniserregend. In den letzten 50 Jahren haben sich die Fischereitechniken erheblich weiterentwickelt. Die Schiffe sind leistungsstärker und die Ortungstechniken werden immer ausgefeilter. Für einen Fisch ist es mittlerweile fast unmöglich geworden, der modernen Fischerei zu entkommen.
Wenn Fischbestände von Wissenschaftlern umsichtig überwacht und nachhaltig bewirtschaftet werden, lassen sich positive Auswirkungen feststellen – genau das ist bei bestimmten europäischen Beständen zu beobachten.
Zudem tragen moderne Probleme wie Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen, die für die Versauerung der Ozeane und die globale Erwärmung verantwortlich sind, zu einer tiefgreifenden Veränderung der biologischen Vielfalt der Ozeane bei.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Fischbestände sind ein Kapital, das jedes Jahr Erträge abwirft. Es geht darum, dieses Kapital zu schützen und bei Bedarf wieder aufzubauen, um nachhaltig fischen zu können, sodass langfristig nur noch die Erträge entnommen werden.
Das vollständige Aussterben einer Fischart wie Kabeljau oder Roter Thun ist zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Es werden immer noch einige Tausend Exemplare übrig bleiben, die die Art vermutlich erhalten können. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn eines ist sicher: Riesige Bestände können unter den Folgen der Überfischung plötzlich zusammenbrechen. Genau das ist in den letzten Jahren beim sogenannten Mittelmeer-Roten Thun (Thunnus thynnus) geschehen, und genau das ist auch beim Kabeljau auf den Grand Banks von Neufundland geschehen.
Im Jahr 1970 belief sich der Kabeljaufang auf den Grand Banks von Neufundland auf bis zu 800.000 Tonnen Fisch. Über ein Jahrhundert lang, beginnend mit den „Neufundländer-Fischern“, war der Kabeljau für viele Fischer die Symbolart. Ab den 1990er Jahren kam es bei dieser Fischart zu einem beispiellosen, drastischen Zusammenbruch der Bestände. 1992 wurde ein Moratorium verhängt, um jeglichen Fischfang zu verbieten, solange der Bestand keine ernsthaften Anzeichen einer Erholung zeigte. Diese Maßnahme führte dazu, dass Zehntausende Menschen arbeitslos wurden. Kanadischen wissenschaftlichen Einschätzungen zufolge liegt die Biomasse auch nach 30 Jahren Moratorium weiterhin weit unter den historischen Werten und ermöglicht kein normales biologisches Funktionieren des Bestands. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich das Ökosystem in einen neuen Gleichgewichtszustand verschoben hat, der für den Kabeljau weniger günstig ist:
Es kam zu einer allgemeinen Veränderung der Nahrungskette mit einer Zunahme der Wirbellosen (Garnelen, Krabben) und einem Rückgang der wichtigsten Beutefische. Diese Veränderung hat die Rückkehr des Kabeljaus eingeschränkt; es handelt sich dabei um ein Phänomen der ökologischen Blockade, das in mehreren Ökosystemstudien beschrieben wurde.
Schlimmer noch: Andere Arten, die wirtschaftlich nahezu unbedeutend sind, hätten in diesem Gebiet den Platz des Kabeljaus eingenommen. Hinzu kamen weitere Faktoren, die sich nachteilig auf die Erholung der Kabeljau-Bestände auswirkten, wie der Klimawandel und eine hohe natürliche Sterblichkeit. Dieser traurigerweise „berühmte“ Fall dient heute als abschreckendes Beispiel für die Fischereibewirtschaftung, doch muss man feststellen, dass wir trotz dieser katastrophalen Erfahrung nicht vor dem Zusammenbruch bestimmter wichtiger Bestände gefeit sind.
Der Rote Thun im Mittelmeer hat eine schwierige Zeit durchlebt, in der der Bestand zu Beginn der 2000er Jahre stark zurückging. Diese überfischte Bestandsart erlitt aufgrund der Überfischung einen Zusammenbruch. Über mehrere Jahre hinweg wurden zahlreiche Maßnahmen eingeführt oder verschärft: Dazu gehörten die Festlegung einer Mindestfanggröße, die Einführung eines Fangzeitplans sowie die Vergabe von Fanglizenzen, um sowohl die Berufs- als auch die Freizeitfischerei zu regulieren. Für die Fischer im Mittelmeer und an der Atlantikküste war diese Art von entscheidender Bedeutung. Die mit dieser Fischerei verbundene Wirtschaft wurde daher sehr stark beeinträchtigt; viele Fischereifahrzeuge wurden verkauft, verschrottet oder umgerüstet, um andere Arten zu befischen. Seit 2012 zeigen wissenschaftliche Daten eine stetige Verbesserung. Die jüngsten Gutachten der ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) belegen, dass sich der Bestand dank geeigneter Bewirtschaftungsmaßnahmen auf ein ökologisch nachhaltiges Niveau erholt hat. Seit Sommer 2018 hat sich Mr.Goodfish daher neu positioniert und diese Art außerhalb ihrer Laichzeit in sein Sortiment aufgenommen.
Seit Jahrhunderten werden Fälle von „Überfischung“ verzeichnet. Lange Zeit beschränkten sich diese auf Gebiete, in denen die Menschen vom Fischfang lebten. Mit der Entwicklung der Flotten und der Konservierungstechniken, die es ermöglichten, weiter hinaus und länger auf See zu bleiben, weitete sich die Befischung nach und nach aus und wurde schließlich „globalisiert“ – und zwar umso schneller, je größer die Nachfrage wurde. Zwischen 1950 und den 1980er Jahren stieg die weltweite Fischereiproduktion von 40 Millionen Tonnen auf etwa 80 Millionen Tonnen Fisch. Seitdem stagniert diese „Produktion“; im Jahr 2022 beliefen sich die Fischereifänge auf insgesamt 92,3 Millionen Tonnen (FAO 2024). In der Zwischenzeit, von 1950 bis heute, ist die Weltbevölkerung jedoch von 2,5 Milliarden Menschen auf fast 8,1 Milliarden angestiegen. Experten schätzen die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,7 Milliarden Menschen, doch die Natur kann nur das liefern, was sie produziert – nicht mehr.
Die Fischereiwissenschaft ist die Wissenschaft vom Fischfang; Fischereiforscher sind die Spezialisten auf diesem Gebiet, und sie sind es, die anhand zahlreicher Messungen und Beobachtungen den Gesundheitszustand der befischten Fischpopulationen, die als „Bestände“ bezeichnet werden, überwachen. Die Abnahme der durchschnittlichen Größe der gefangenen Fische ist ein Anzeichen für Überfischung. Die Verknappung der Bestände, also der Rückgang der Fangmengen, ist ein weiteres Anzeichen für Überfischung. Es handelt sich dabei um Anzeichen, nicht um Beweise, und erst auf der Grundlage ständig wiederholter und überprüfter Beobachtungen und Messungen kann auf die Überfischung eines Bestands geschlossen werden. Diese Beobachtungen werden im Rahmen wissenschaftlicher Kampagnen auf Forschungsschiffen, aber auch auf Fischereifahrzeugen der Berufsfischerei durchgeführt.
Die Wissenschaft stößt jedoch auf zahlreiche Hindernisse. Es mangelt an allgemeinen Kenntnissen über die Meeresumwelt und an finanziellen Mitteln für Forschungsteams, die dieses besonders schwierige Umfeld untersuchen sollen. Es ist immer einfacher, eine Ressource zu bewerten, wenn man sich einen Gesamtüberblick über den Bestand verschaffen kann, so wie bei einer Herde Kühe auf einer Weide. Die Wissenschaft ermöglicht derzeit keine solche Gesamtdarstellung der Ozeane; es gibt nach wie vor unbekannte Gebiete und somit Daten, die uns fehlen.
Je nach Art ist die wissenschaftliche Überwachung mehr oder weniger einfach zu organisieren. Je nach Biologie der Art, ihrer Lebensweise (benthisch, pelagisch …) und ihrem Lebensraum (Küste/offenes Meer, in der Tiefe/an der Oberfläche …) wird es nämlich schwieriger, Zugang zu Daten über den Gesamtzustand dieser Ressource zu erhalten.
Das Problem ist, dass die Bestände schon seit langem ausgebeutet werden und dass Maßnahmen meist erst im Nachhinein ergriffen werden, d. h. erst dann, wenn der Gesundheitszustand des Bestands Anlass zur Sorge gibt.
Für bestimmte Bestände (insbesondere im Nordostatlantik, in der Nordsee und in der Ostsee) oder für bestimmte Arten wird eine zulässige Gesamtfangmenge (TAC) festgelegt. Diese entspricht der von der Europäischen Union für einen Bestand in einem bestimmten Gebiet genehmigten Höchstfangmenge. Auf dieser Grundlage werden Quoten festgelegt; dabei handelt es sich um die Fischmengen, die pro Land, pro Fischerei oder gegebenenfalls pro Schiff gefangen werden dürfen. In Gebieten wie dem Mittelmeer oder dem Schwarzen Meer wird die Fischerei durch eine Begrenzung des Fischereiaufwands auf die Bestände gesteuert.
Es werden weitere Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise die Mindestfanggröße, die in der Regel anhand der Geschlechtsreife berechnet wird. Das zugrunde liegende Prinzip besteht darin, jedem gefangenen Fisch die Möglichkeit zu geben, sich mindestens einmal fortzupflanzen. Leider muss man, genau wie bei den Fangquoten, muss zwischen den sogenannten „biologischen“ Mindestgrößen, die dem zuvor genannten Kriterium entsprechen, und den sogenannten „politischen“ Mindestgrößen unterschieden werden, bei denen wissenschaftliche Gutachten nicht oder nur in geringem Maße berücksichtigt werden, um kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen gerecht zu werden.
Dennoch ist anzumerken, dass immer mehr Fischer sich zunehmend strengere Regeln auferlegen (z. B. Fanggrößen, die über den vorgeschriebenen Mindestgrößen liegen, oder bestimmte Fangzeiten), um die Bestände zu schonen und ihre Tätigkeit kurz-, mittel- und langfristig zu sichern. Eine sinnvolle Verwertung ermöglicht zudem eine bessere Bewirtschaftung der Bestände: weniger fischen, aber besser fischen. Das Produkt wird an Bord besser gelagert, die Qualität des Fisches ist höher und sein Verkaufspreis steigt.
Der allgemeine Trend ist weiterhin negativ, doch dahinter verbergen sich erhebliche regionale Unterschiede. Trotz des weltweit zunehmenden Drucks auf die Fangfischerei hebt der jüngste Bericht der FAO hervor, dass in bestimmten Regionen echte Fortschritte erzielt wurden, insbesondere im Nordostatlantik, wo wissenschaftlich fundierte Bewirtschaftungsmaßnahmen dazu geführt haben, den Fischereidruck zu verringern und die Erholung mehrerer Bestände einzuleiten. Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten, da dieses fragile Gleichgewicht durch den Klimawandel und die Verschlechterung der Meeresökosysteme bedroht ist.
Ja, zweifellos. Aber die Frage ist, um welche Fische es sich handelt, in welchen Mengen und welcher Größe. Wenn wir weiterhin überfischen, haben die Fische keine Zeit mehr, sich fortzupflanzen. Das könnte den derzeitigen Zusammenbruch bestimmter Bestände erklären. Die eigentliche Gefahr geht jedoch zweifellos von der Veränderung des natürlichen Gleichgewichts aus, die durch die Überfischung hervorgerufen wird. Das Verschwinden der „großen Fische“ macht Platz für andere Arten, die ihrerseits zu Raubtieren werden. Die Beute von einst ist nun zum Raubtier für die Larven und Jungfische jener Art geworden, die sie gestern noch gefressen hat. Die Basis der Population wird durch dieses neue Raubtier, das oft viel kleiner ist und manchmal keinerlei wirtschaftlichen Wert hat, dezimiert.
Heutzutage betonen immer mehr Wissenschaftler, dass man die gesamte Nahrungskette und vor allem das gesamte Ökosystem einer Art berücksichtigen muss, um Aussagen über den Zustand des Bestands treffen zu können.
Der ernährungsphysiologische Wert von Krill ist höchst umstritten, doch das ist nicht der Kern des Problems. Krill zu fangen bedeutet, die Basis eines Nahrungsnetzes in den Ozeanen auszubeuten, und damit alle davon abhängigen marinen Ökosysteme zu gefährden – nicht nur die Wale, sondern auch die kleinen Fische, die von den größeren Fischen oder von Vögeln, Meeressäugetieren und natürlich vom Menschen gefressen werden. Krill-Fangprojekte stellen daher eine erhebliche Bedrohung für das empfindliche Gleichgewicht des Lebens in den Ozeanen und langfristig auch für unsere eigene Ernährung dar.
Aquakultur
Seit 60 Jahren erlebt die weltweite Aquakultur einen beispiellosen Aufschwung. Fische, Weichtiere, Algen und Krebstiere werden in großen Mengen dank sehr vielfältiger Zuchttechniken produziert, die von der extensiven Zucht ohne Futterzugabe bis hin zur intensiven Zucht mit Wasserrecycling und -aufbereitung reichen.
Was die Fischzucht (Aquakultur) betrifft, so ist zu beachten, dass sie hauptsächlich in Süßwasser betrieben wird (2/3 der weltweiten Fischproduktion). Die Systeme der Binnenaquakultur basieren hauptsächlich auf der Aufzucht von allesfressenden oder überwiegend pflanzenfressenden Arten wie Karpfen, Tilapien und Wels, was weltweit zu einer besseren Futter- und Energieeffizienz beiträgt.
Die Meeresfischzucht (Marikultur), deren industrielle Entwicklung noch jüngeren Datums ist, verzeichnet dennoch ein nachhaltiges Wachstum und macht etwas mehr als ein Drittel der weltweiten Fischproduktion aus (FAO 2024). Diese Entwicklung ist besonders ausgeprägt in bestimmten Regionen Asiens und Europas, wo technologische Investitionen und die Beherrschung biologischer Kreisläufe den Aufschwung neuer Produktionszweige ermöglicht haben. Historisch gesehen dominierte eine Art, die Gelbschwanzmakrele (insbesondere die japanische Gelbschwanzmakrele), lange Zeit die marine Aquakulturproduktion. Ab den 1970er- und 1980er-Jahren ermöglichten jedoch bedeutende Fortschritte die Beherrschung der Fortpflanzung und der ersten Phasen des Lebenszyklus zahlreicher anderer Meeresarten. So entwickelten sich nach und nach Zuchtbetriebe für Lachs, Wolfsbarsch, Dorade, Steinbutt und in jüngerer Zeit auch für Stör und andere Arten mit hoher Wertschöpfung, was zur Diversifizierung und zum Ausbau der weltweiten Meeresaquakultur beitrug.
Zur Aquakultur gehört auch die Zucht oder der Anbau von Austern oder Miesmuscheln (Muschelzucht). Sie ist besonders clever, da sie die natürliche Produktion mikroskopisch kleiner Algen nutzt, um die Muscheln zu füttern und sie wachsen zu lassen.
Die Aufzucht von Fischen wie Karpfen auf der Grundlage von Algen oder anderen Pflanzen ist ebenfalls eine nachhaltige Lösung, sofern die Umwelt- und Hygienebedingungen sorgfältig kontrolliert werden.
Die gezüchteten Meeresfischarten ernähren sich hauptsächlich von anderen Fischen; ihre fleischfressende Lebensweise kann sich negativ auf die Fischbestände auswirken. Diese Arten benötigen Proteine in ihrer Nahrung. Diese werden ihnen zum Teil durch Fischmehl und Fischöle aus der Fischmehlindustrie zugeführt. Derzeit werden je nach Art durchschnittlich zwischen 0,5 und 4 kg Wildfisch benötigt, um 1 kg Zuchtfisch zu produzieren. Etwa 17 Millionen Tonnen Wildfisch, hauptsächlich kleine pelagische Arten (Sardinen, Sardellen, Stöcker, Sprotten …), wurden weltweit zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl für Nicht-Lebensmittelzwecke verwendet, vor allem für die Tierfütterung und in erster Linie für die Fütterung von Zuchtfischen. Dies entspricht mehr als 80 % der Menge an aquatischen Erzeugnissen, die im Jahr 2022 nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt waren (FAO 2024).
Der Druck auf diese pelagischen Fischarten ist sehr hoch, und es bestehen Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit dieser Bestände sowie der Gefahr eines Ungleichgewichts in den Ökosystemen. Dies ist ein großes Problem, da die verfügbaren Mengen an Wildfisch begrenzt sind. Daher ist eine sinnvolle Nutzung der tierischen Proteinressourcen erforderlich: Fischmehl aus Beständen, die streng im Rahmen von Quoten bewirtschaftet werden, die Verwendung von Nebenprodukten (Filetierabfälle von Fischen, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind) sowie die Verwertung von Fischereirückwürfen in Fischfutterrezepturen. All diese tierischen Produkte lassen sich in der Aquakultur sehr gut verwerten. Darüber hinaus ist der Einsatz von pflanzlichen Proteinen und Insektenproteinen ein ernstzunehmender Ansatz.
Nach Angaben des IFREMER betrifft die Meeresfischzucht derzeit vor allem Arten mit hohem kommerziellen Wert, und bei bestimmten Arten hat die Zucht die Fischerei bereits fast vollständig ersetzt (9 von 10 verzehrten Lachsen und 1 von 2 produzierten Wolfsbarschen stammen aus Zuchtbetrieben).
Ja, ein Wildfisch frisst mindestens genauso viel wie ein Zuchtfisch, wahrscheinlich sogar mehr, weil er jagen muss und daher Energie aufwendet, um seine Beute zu fangen.
Der große Unterschied, den die Fischzucht mit sich bringt, besteht jedoch darin, dass sie Milliarden von Fischen das Leben ermöglicht, die in der Natur niemals überlebt hätten. Das sind also Milliarden zusätzlicher Mäuler, die gefüttert werden müssen und die gewissermaßen einen Überschuss, eine Übernachfrage im Vergleich zu dem darstellen, was die Natur liefern kann. Man darf nicht vergessen, dass Fische pro Fortpflanzungszyklus Zehntausende, oft Hunderttausende, manchmal sogar Millionen Eier legen. Die meisten dieser Eier werden gar nicht erst befruchtet, und von den befruchteten erreichen nur wenige – 4, 5, 6 oder 10 – das Erwachsenenalter. Dank der Forschung können heute fast 100 % der Eier befruchtet werden, und ein sehr hoher Prozentsatz der Jungfische erreicht die Erwachsenengröße. All diese Fische, die in der freien Natur nicht überlebt hätten, müssen nun gefüttert werden, und genau hier liegt das Problem.
Wildfische, die als Futter für Fischzuchtbetriebe dienen (auch als Futterfische bezeichnet), bilden die Grundlage der Nahrungskette in den Ozeanen. Es sind Sardellen, Sardinen oder Lodde, die größere Fische (wie beispielsweise Makrelen) ernähren, die wiederum von Thunfischen, aber auch von Vögeln, Seelöwen, Robben, Haien, Walen und Menschen gefressen werden. Aufgrund der Bedeutung dieser Arten in der Nahrungskette müssen sich die Fachleute, die sie befischen, dazu verpflichten, die betreffenden Bestände sorgfältig zu überwachen, da sonst sowohl diese Bestände als auch ihre eigene Tätigkeit zusammenbrechen könnten. Durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der Futterfischbestände wird der Fortbestand der Ressource für die gesamte Nahrungskette gewährleistet.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weist auf das ethische Problem hin, das sich aus der Verwendung von Futterfischen für die Fischzucht ergibt. Tatsächlich könnten diese Fische direkt von Bevölkerungsgruppen verzehrt werden, denen weder die notwendigen tierischen Proteinressourcen noch die Mittel zum Kauf von fleischfressenden Zuchtfischen zur Verfügung stehen.
Dies ist bereits in allen Zuchtbetrieben für Fleischfresser der Fall, in denen das Futter (das in Form von Granulat verabreicht wird) zu mindestens 50 % aus pflanzlichen Bestandteilen besteht (Sojaschrot und andere pflanzliche Proteine, Weizengluten, Eiweißerbsen, Maisgluten, …). Aktuelle Forschungsergebnisse erhöhen diesen Anteil sogar auf bis zu 80 % oder in manchen Fällen sogar auf 85 %. Das ist eine Entscheidung. Akzeptieren wir, dass Arten, die in der Natur ausschließlich fleischfressend sind, teilweise oder vollständig vegetarisch werden? Diese Frage muss zum Teil der Gesetzgeber beantworten. Dennoch bleibt es unerlässlich, dass Zuchtfisch – wenn auch nur teilweise – die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Wildfisch beibehält. Daher ist es unbedingt erforderlich, ihnen „mehrfach ungesättigte“ Fettsäuren zuzuführen, die unter dem Namen „Omega-3“ bekannt sind und hauptsächlich … in Wildfischen vorkommen. Omega-3-Fettsäuren kommen auch in Algen vor, was diese zu einem vielversprechenden Bestandteil für die Herstellung von Ersatzmehlen macht. Derzeit laufen zahlreiche Versuche.
Um fleischfressenden Fischen die für ihre Entwicklung notwendigen Proteine zu liefern, wird an neuen Mehlsorten geforscht: Insektenmehl. Insekten gehören zur natürlichen Ernährung fleischfressender Fische; je nach Insektenart weisen sie unterschiedliche Nährwerte auf, und ihre Zucht ist einfach und schnell, sodass sie einen erstklassigen Ersatz darstellen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man immer, früher oder später, durch die Menge begrenzt sein wird, die die Natur liefern kann.
Ja, und genau deshalb ist die Argumentation, die besagt: „Wenn die Fischbestände zusammenbrechen, gibt es ja immer noch die Aquakultur“, falsch, aber vor allem gefährlich. Und selbst wenn diese Bestände auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben würden, wäre damit noch lange nichts gelöst. Jedes Jahr liefert die weltweite Fangfischerei etwa 92 Millionen Tonnen Fisch und andere Wassertiere. Die Rückwürfe ins Meer werden heute auf etwa 9 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt, während etwas mehr als 83 Millionen Tonnen an Land gebracht werden. Von diesen angelandeten Mengen sind fast 90 % für den menschlichen Verzehr bestimmt, das sind etwa 75 bis 77 Millionen Tonnen, die direkt aus der Fangfischerei stammen. Auf die Nicht-Lebensmittelverwendung entfallen etwa 11 %, also fast 20 Millionen Tonnen, von denen etwa 17 Millionen Tonnen zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet werden, das hauptsächlich zur Fütterung von Zuchtfischen, sondern auch zur Fütterung von Geflügel und Schweinen.
Diese Zahlen spiegeln laut FAO einen langfristigen Aufwärtstrend beim Anteil für den menschlichen Verzehr sowie eine Stabilisierung oder sogar einen relativen Rückgang der Mengen wider, die für die industrielle Verwertung bestimmt sind.
Seit 2019 verpflichtet die von der Europäischen Kommission eingeführte „Null-Rückwurf“-Zielvorgabe für die Berufsfischerei von der Europäischen Kommission eingeführt wurde, verpflichtet die Fischer dazu, bestimmte Fische an Land zu bringen, die zuvor ins Meer zurückgeworfen wurden (entweder weil sie zu klein und somit nicht den Vorschriften entsprachen, weil kein wirtschaftliches Interesse bestand oder weil die Quoten bereits ausgeschöpft waren usw.). Ziel dieser Verordnung ist es, Berufsfischer dazu anzuregen, die Selektivität ihrer Fanggeräte zu verbessern. Da diese Fänge gemäß den Vorschriften nicht für den direkten menschlichen Verzehr zugelassen sind, werden sie in der Kosmetikindustrie, in der Forschung, vor allem aber zur Herstellung von Tiermehl, also Futter für Zuchtfische, verwendet.
Es werden weitere Lösungen in Betracht gezogen, um die Auswirkungen der Aquakultur auf die Ökosysteme zu begrenzen und die Produktivität der Zucht zu steigern: zum Beispiel die integrierte multitrophische Aquakultur, bei der „die Abfälle einer Art als Futter für eine andere dienen“ (Richard, 2009). Bei den derzeitigen technischen Kennzahlen lassen diese Zahlen eine weltweite Produktion von 10 bis 20 Millionen Tonnen fleischfressender Fische in der Aquakultur pro Jahr erwarten. Dies erfordert jedoch eine globale Steuerung und ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein seitens der Staaten und der Fachleute – um ihr eigenes wirtschaftliches Überleben zu sichern. Das Dreigespann der Nachhaltigkeit – Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft – ist in diesem Zusammenhang aktueller denn je.
Das stimmt, aber im Fall des Roten Thuns sind die Folgen dieser Art der Zucht mindestens ebenso problematisch wie die, die bei anderen fleischfressenden Arten entstehen. Der Thunfisch wird in Käfigen gemästet, um einen „extrem fetten“ Fisch zu erhalten, der bei japanischen Verbrauchern sehr begehrt ist. Um ihn zu mästen, wird er massiv gefüttert: Bis zu 15 kg Wildfisch, damit ein Thunfisch im Käfig 1 kg an Gewicht zunimmt! Dies wirft zahlreiche Probleme auf, doch das Hauptproblem bleibt, dass Arten wie Stöcker, Sardinen, Sardellen oder Makrelen, die insbesondere in Ländern mit sehr geringer Kaufkraft verzehrt werden, einen drastischen Preisanstieg erlebt haben. Durch die Mast von Rotem Thun für einen Luxusmarkt wird vielen Bevölkerungsgruppen eine wesentliche, ja sogar lebenswichtige Proteinquelle für ihre Ernährung vorenthalten. Ist das in einer Welt, die im Jahr 2050 mehr als 9 Milliarden Menschen zählen wird, überhaupt noch möglich? Ist dies mit dem Konzept der verantwortungsvollen Fischerei der Vereinten Nationen vereinbar?
Bestimmte Arten von Fischzuchtbetrieben geben große Mengen an organischem Material in die Meeresumwelt ab. Je mehr die Fische fressen, desto mehr scheiden sie aus. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Problem, insbesondere bei Thunfischzuchtbetrieben, von denen einige Projekte aufgrund übermäßiger Meeresverschmutzung nicht realisiert wurden.
Was die erste Frage betrifft, so wurden mehrere Versuche unternommen, von denen einer verlockender war als der andere. Das Ergebnis lässt sich jedoch nicht messen, da die in die Natur ausgesetzten jungen Larven oder Fischbrut das gleiche Schicksal erleiden wie die natürlich geborenen: In 99 % der Fälle werden sie gefressen oder sterben eines natürlichen Todes. Eine der interessantesten Lösungen ist das „Sea-Ranching“, bei dem junge Lachse ins Meer ausgesetzt werden, die nach einer langen Reise mitten im Ozean in ihren Ursprungsfluss zurückkehren. Bei den betreffenden jungen Lachsen handelt es sich jedoch nicht mehr wirklich um Jungfische, sondern um Smolts, deren Aufzucht in diesem Stadium sehr proteinintensiv ist. Die Rückkehrquote reicht offensichtlich nicht aus, um die Rentabilität (oder Wettbewerbsfähigkeit) dieser Art der Zucht im Vergleich zu anderen, intensiveren und über den gesamten Zyklus hinweg besser kontrollierten Zuchtmethoden zu gewährleisten.
Es werden weitere Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise das Aussetzen von Muscheln – eine Technik, mit der die natürlichen Bestände an Jungtieren vergrößert werden können. Die Muschelbrut schlüpft und wächst in einer Aufzuchtstation heran, um anschließend ins Meer ausgesetzt und dort angesiedelt zu werden. Zwei Beispiele: eines in der Bucht von Saint-Brieuc mit Jakobsmuscheln, das andere im Bassin de Thau mit Venusmuscheln – beide auf Initiative der lokalen Berufsfischer.
Es ist wichtig, bestimmte Kriterien zu berücksichtigen, um eine kluge Wahl zu treffen und so die natürlichen Ressourcen und die Umwelt nicht zu schädigen. Mr.Goodfish hilft Ihnen dabei. Hier sind die Auswahlkriterien, die Mr.Goodfish für Zuchtfischarten zugrunde legt:
Die Fütterung von Aquakulturarten
Die Tiere müssen gefüttert werden:
- mit Inhaltsstoffen aus Wildfisch, die auf die Entwicklung der jeweiligen Art abgestimmt sind.
- mit nachhaltigen Lebensmitteln: Die verwendeten Lebensmittel müssen aus einer nachhaltigen Quelle stammen, d. h. aus Wildbeständen, die Quoten unterliegen, oder aus zertifiziert nachhaltigen Beständen (deren Anteil im Rahmen der Verbesserung der Praktiken stetig zunimmt). Andere Zutatenquellen wie Nebenprodukte, Algen, Insekten und Leinsamen werden gefördert.
Die Tierhaltungspraktiken
Die ausgewählten Tierarten müssen unter optimalen Bedingungen hinsichtlich Tierschutz und öffentlicher Gesundheit gehalten werden:
- Antibiotika dürfen ausschließlich auf tierärztliche Verschreibung und unter Einhaltung der europäischen Vorschriften verabreicht werden.
- Mr. Goodfish hat zudem eine maximale Anzahl von Behandlungen pro Jahr sowie strenge Anwendungsbedingungen festgelegt.
- Die Tierarten müssen unter Berücksichtigung ihres natürlichen Verhaltens in freier Wildbahn und bei einer für jede Art angemessenen Besatzdichte gehalten werden.
Die Auswirkungen auf die Umwelt
Die ausgewählten Arten müssen unter optimalen, umweltfreundlichen Bedingungen gezüchtet werden. Das dynamische Gleichgewicht zwischen dem Produktionsgebiet und seiner Umgebung muss gewahrt bleiben:
- Das dynamische Gleichgewicht zwischen dem Produktionsgebiet und seiner Umgebung muss aufrechterhalten werden.
- Die gezüchteten Arten müssen in dem Lebensraum natürlich vorkommen, wenn die Zucht in einem nicht geschlossenen Lebensraum erfolgt.
- Die Fischarten müssen mit einer Menge Fischmehl gefüttert werden, die einen für jede Art festgelegten und optimierten Ertragsgrenzwert einhält, um die Einleitung organischer Stoffe in die Umwelt zu vermeiden.
- Der Feinstaubanteil im Futter muss unter 1 % liegen. Die Qualität der Umwelt darf durch den Betrieb einer Aquakulturanlage nicht beeinträchtigt werden.
- Der Einsatz von Chemikalien darf ausschließlich auf tierärztliche Verschreibung und unter Einhaltung der europäischen Vorschriften erfolgen. Mr.Goodfish hat zudem eine maximale Anzahl von Behandlungen pro Jahr festgelegt.
- Bei der Reinigung der Anlagen setzt Mr.Goodfish vorrangig auf mechanische oder biologische Verfahren.
- Die verschiedenen Indikatoren und Schwellenwerte sind für jede Art auf der Website www.mrgoodfish.com verfügbar.
Umweltzeichen
Auf dem Markt gibt es heute zahlreiche Gütesiegel, die den Verbrauchern den Weg zu Produkten aus nachhaltiger Fischzucht weisen. Um die Auswahlkriterien dieser verschiedenen Gütesiegel der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat sich das Programm „Mr.Goodfish“ dafür entschieden, auf diese verschiedenen Gütesiegel zurückzugreifen: Aquaculture Stewardship Council (ASC), Global GAP, das europäische Bio-Siegel, das „Label Rouge“, Best Aquaculture Practices (BAP), die Qualitätscharta „Aquaculture de nos régions“ …
Es gibt verschiedene „Umweltzeichen“:
– MSC: Marine Stewardship Council,
– Das französische Umweltzeichen „Pêche Durable“
– Friend of the Sea
– Artysanal…
Nur einige davon entsprechen den von der FAO festgelegten Regeln für verantwortungsvolle Fischerei. Da es keine anderen Empfehlungen gibt, sind diese Öko-Labels ein wirksames Mittel, um die richtige Wahl zu treffen.
Fanggeräte
Seit Generationen hat der Mensch verschiedene Fanggeräte entwickelt, mit denen er Meeresprodukte entweder am Meeresboden oder in dessen Nähe bzw. im offenen Wasser gewinnen kann. Angesichts dieser Entwicklungen stellte sich schnell die Frage, „welcher Art und welchen Ausmaßes die Auswirkungen des Einsatzes dieser Techniken auf Meeresorganismen und deren Umwelt sind“. Heute ist es sowohl für Fischer als auch für Wissenschaftler das Ziel, diese negativen Auswirkungen zu begrenzen und dabei den Zustand der Bestände zu berücksichtigen.
Man unterscheidet zwei große Arten von Fanggeräten. Die sogenannten „aktiven“ Fanggeräte, die auf den Zielfischarten am Meeresboden oder in der Wassersäule eingesetzt werden, wie beispielsweise Schleppnetze, Dredgen und Waden. Die sogenannten „passiven“ Fanggeräte oder auch „stehende Fanggeräte“, die so befestigt werden, dass sie Meeresorganismen einfangen: Dazu gehören Netze, Leinen oder Reusen.
Die aktiven Geräte
Das Schleppnetz ist ein großes, trichterförmiges Netz, das je nach Fischerei hinter einem oder zwei Schiffen hergezogen wird. Es zeichnet sich durch eine Maschenweite aus, die vom Eingang des Netzbeutels bis zum Ende des Beutels, dem sogenannten „Netzboden“, allmählich abnimmt. Die horizontale Öffnung wird durch zwei auseinanderlaufende Seitenwände gewährleistet, die sich durch die Geschwindigkeit des Schiffes und den Wasserdruck öffnen.
Je nach Zielart verwenden die Fischer unterschiedliche Schleppnetzkonfigurationen:
- Mit dem Grundschleppnetz werden Fischarten gefangen, die auf dem Meeresboden oder in dessen Nähe leben, wie beispielsweise: Wittling, Kabeljau, Seeteufel, Tintenfisch, Kaisergranat…
- Mit dem pelagischen Schleppnetz werden Fischarten gefangen, die im Wasserraum – zwischen der Oberfläche und dem Meeresboden – leben, wie beispielsweise Sardellen, Makrelen, Sardinen, Heringe…
- Das Stangen-Schleppnetz wird hauptsächlich für Plattfischarten eingesetzt: Seezunge, Scholle …
Mit diesen verschiedenen Schleppnetzen lässt sich eine große Vielfalt an marktfähigen Fischarten fangen, die sich im gesamten Gewässer vom Grund bis zur Oberfläche aufhalten.
Seit mehreren Jahren werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Umweltauswirkungen dieser Schiffe durch technische Verbesserungen und die Regulierung des Fischereiaufwands zu verringern. So unterliegen die Fischer gesetzlichen Beschränkungen hinsichtlich der Fanggebiete und -zeiten, der Schiffsleistung sowie der Maschenweite.
Es wurden zahlreiche Studien durchgeführt, um die Selektivität von Schleppnetzen zu verbessern (Maschenweite, Selektionsgitter usw.), wodurch die Entlassung von Organismen, die nicht zum Ziel der Fischerei gehören (Arten und/oder Größen), deutlich erhöht werden kann. Dies gilt beispielsweise für die französische Kaisergranatfischerei im Golf von Biskaya.
Beim Grundschleppnetz haben sich die Technik und der Aufbau der Fanggeräte weiterentwickelt, um die Auswirkungen auf den Meeresboden so gering wie möglich zu halten: Gummischeiben am Eingang, die über den Meeresboden rollen, Weiterentwicklung der Form der Netzplatten…
Sonderfall der Tiefseefischerei mit Schleppnetzen:
Seit den 2000er Jahren haben verschiedene Verbände eine Lobbykampagne gegen die Tiefseefischerei mit Schleppnetzen gestartet. Im Jahr 2016 führte dies zu einem Verbot der Fischerei in Tiefen von mehr als 800 Metern in europäischen Gewässern durch die Europäische Union. In den sogenannten „empfindlichen Meeresgebieten“ ist die Tiefe auf 400 Meter begrenzt. Für all diese Gebiete müssen die Fischer ihre Fangtätigkeiten zwischen 2009 und 2011 nachweisen.
Bislang wurde diese Technik in Tiefen von bis zu 1.000 Metern und mehr angewendet. In dieser Tiefe weisen die Ökosysteme große Unterschiede auf; sie basieren auf Arten mit langsamem Lebenszyklus und später Geschlechtsreife, wie beispielsweise dem Kaiserfisch. Die in der Tiefsee lebenden Arten sind sehr schwer zu erforschen; es gibt kaum oder gar keine genauen wissenschaftlichen Beobachtungen. Diese Besonderheiten sowie die Zerstörung der Tiefseekorallen durch Fanggeräte waren wichtige Argumente für eine Anpassung der europäischen Vorschriften. Die in der Vergangenheit beobachteten Zerstörungen, insbesondere zu Beginn der Tiefseefischerei, sind heute durch die Einrichtung von Sperrgebieten und die sehr starke Reduzierung des internationalen Fischereiaufwands zurückgegangen. Durch die Verkleinerung der von der Fischerei betroffenen Gebiete konnte der räumliche Fußabdruck der Tiefseefischerei mit Schleppnetzen begrenzt werden. Zudem lassen sich die zugeteilten Quoten an den regelmäßig befischten Fangplätzen problemlos fangen.
Diese Situation beschränkt die Schleppnetzfischerei ausschließlich auf Sedimentgebiete, die weniger anfällig für die Auswirkungen sind.
Mr.Goodfish führt in seinen Empfehlungen sogenannte Tiefseefische wie beispielsweise die Blauleng auf. Mehrere Faktoren haben zu dieser Entscheidung geführt. Die Tiefseearten, die auf den Empfehlungslisten aufgeführt sind, werden wissenschaftlich streng überwacht; die aktuellen Daten zeigen eine stabile Bestandsdynamik, und sie werden bis zu ihrer maximalen nachhaltigen Ertragsgrenze befischt. Der für diese Arten eingeführte Bewirtschaftungsplan ermöglicht es uns, das zu entnehmen, was die Natur uns bietet, ohne die Bestände zu schädigen – das ist das perfekte Gleichgewicht! Ein weiterer Grund, warum Mr.Goodfish einige dieser Tiefseearten empfiehlt, ist, dass die Substrate in den empfohlenen Gebieten sandig-schlammig sind und keine Korallen vorkommen.
Die Dredge basiert auf dem gleichen Prinzip wie Grundschleppnetze und ist ein vom Schiff gezogenes Fanggerät vom Typ „Korb/Rechen“. Sie besteht aus einem starren Gerüst, das mit Metall oder Netz bespannt ist, und wird hauptsächlich zum Fang von Muscheln eingesetzt. Am unteren Ende des Eingangs befinden sich Metallklingen oder -zinken, mit denen die obersten Schichten des Meeresbodens abgekratzt werden. Das Ziel der Dredge ist es, im Sand oder Schlamm vergrabene Muscheln zu sammeln, wie zum Beispiel: Herzmuscheln, Jakobsmuscheln, Venusmuscheln…
Dieses Fanggerät gilt als selektiv. Die Maschen der Metall- oder Netzgewebe sind nämlich so dimensioniert, dass kleine Fische entkommen können. Genau wie beim Schleppnetzfischfang unterliegt diese Flotte Auflagen hinsichtlich des Fischereiaufwands. So ist beispielsweise der Dredgenfang von Jakobsmuscheln im Ärmelkanal hinsichtlich der Anzahl der zugelassenen Schiffe, des Fanggebiets und der Anzahl der Fangtage begrenzt.
Der größte Nachteil des Baggerverfahrens sind seine Auswirkungen auf den Meeresboden und die marinen Lebensräume. Die Untersuchungen zu diesem Verfahren konzentrieren sich im Wesentlichen auf technische Aspekte, um die Belastung des Meeresbodens zu begrenzen.
Das Prinzip dieser Fanggeräte besteht zunächst darin, den Fischschwarm mit einem Netz zu umschließen, bevor die beiden Netzflanken zum Schiff hin zusammengezogen werden (Ringwade) und gleichzeitig der Netzboden geschlossen wird (gleitende Ringwade – Bolinche oder Lamparo). Sie werden zum Fang pelagischer Arten wie Thunfisch, Sardinen, Sardellen usw. eingesetzt.
Die Selektivität von Netzen oder Ringwaden beruht auf dem Schwarmverhalten von Fischen gleicher Größe. Mithilfe von Sonargeräten peilen die Fischer einen Schwarm einer bestimmten Art und Größe an, wodurch nur wenige kleine Fische gefangen werden. Da die lebenden Fische schnell an Bord des Schiffes gebracht werden, liefert diese Art der Fischerei Produkte von sehr guter Qualität.
Diese Fangmethode führt manchmal zum Beifang kleiner Wale. Da sich die Fangmethoden weiterentwickeln, werden diese Beifänge zunehmend schnell und somit lebendig wieder freigelassen.
Seit einigen Jahren rüsten sich immer mehr französische Schiffe im Ärmelkanal und in der Nordsee für den Einsatz dieser Technik um. Als Kombination aus Grundschleppnetz und Ringwade handelt es sich um ein trichterförmiges Netz, das mit zwei langen Leinen verbunden ist, mit denen der Fisch zusammengetrieben wird. Es wird wie das Schleppnetz zum Fang von Grundfischarten eingesetzt. Sein Hauptvorteil liegt in der Möglichkeit, Fisch von besserer Qualität zu fangen und Energie zu sparen. Tatsächlich erfolgt das Einholen der Ringwade entweder bei stehendem Boot mithilfe von Winden – wie bei der dänischen Ringwade – oder bei reduzierter Geschwindigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Trawlern – wie bei der schottischen Ringwade.
Im Jahr 2013 hat die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten gestattet, 5 % ihrer Baumkurrenflotte mit Elektroden auszustatten (Artikel 31a der Verordnung (EG) Nr. 850/98). Die Idee besteht darin, einen Strom durch den Baum zu leiten, um elektrische Impulse in den Meeresboden zu senden. Diese dienen dann als Köder, um Fische anzulocken, bevor sie betäubt werden. Die ersten Lizenzen wurden zunächst versuchsweise erteilt, um Daten über die Auswirkungen dieser Technik (Selektivität, Fangmenge usw.) zu sammeln. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl der Schiffe, die mit elektrischen Schleppnetzen fischen, dank der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen weiter an. Im Jahr 2018 hat Mr.Goodfish Stellung bezogen und die Europaabgeordneten aufgefordert, für ein vollständiges Verbot dieser Fangtechnik zu stimmen. Es sind eingehendere wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Schleppnetze auf den Meeresboden sowie auf die Ziel- und Nichtzielarten dieser Fangmethode erforderlich. Ziel ist es, im Interesse des Gleichgewichts der Ökosysteme zu handeln. Heute ist diese Technik, die früher vor allem von Berufsfischern in den Niederlanden in der Nordsee eingesetzt wurde, verboten.
Passive Geräte
Die Netze bestehen aus einer oder mehreren rechteckigen Netzbahnen, die senkrecht in der Wassersäule gespannt sind. Unabhängig davon, ob sie feststehend oder treibend sind, bilden Kiemennetze (1) oder Trammelnetze (2) ein Hindernis, das die Fische beim Durchschwimmen einfängt. Feststehende Netze werden mithilfe von Schwimmern am oberen Ende und einer Beschwerung am unteren Ende befestigt.
(1) Kiemennetze bestehen aus einer oder mehreren rechteckigen Netzbahnen, die senkrecht im Wasser ausgebracht werden. Im oberen Teil sind Schwimmer und im unteren Teil Ballast befestigt, wodurch die Netze senkrecht gehalten werden. (www.ifremer.fr) Diese Netze können auf dem Grund verankert oder aber von der Oberfläche aus in der Wassermasse aufgehängt werden. In diesem Fall handelt es sich um Treibnetze. Treibnetze sind in der Europäischen Union seit 2002 verboten.
(2) Das Trémail-Netz besteht aus drei Netzlagen: zwei äußeren Lagen (aumées) mit großer Maschenweite und einer inneren Lage (flue) mit kleiner Maschenweite, die sehr locker angebracht ist. Fische oder Krebstiere verfangen sich in der inneren Netzbahn mit kleinen Maschen, nachdem sie eine der beiden äußeren Netzbahnen durchschwommen haben. (www.ifremer.fr)
Die Maschenweite ist vorgeschrieben und ermöglicht es somit, die größten Fische herauszufiltern, während die kleineren entkommen können.
Die Selektivität von Netzen hängt sowohl vom Verhalten der Zielart als auch von den Kenntnissen der Fischer über den Lebensraum ab. Ein gut ausgelegtes Netz, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit, kann sehr selektiv sein. Umgekehrt kann sich ein Netz als nutzlose und für das Ökosystem schädliche Falle erweisen, wenn es falsch eingesetzt wird und dabei sowohl Krebstiere als auch Fische, Schildkröten oder Wale fängt.
So kommt es beispielsweise vor, dass Netze verloren gehen und zu „Geisternetzen“ werden. Je nach der Tiefe, in der sie versenkt waren, können sie sich entweder in den Strömungen verheddern (geringe Tiefe) oder noch mehrere Monate lang weiterfischen (große Tiefe).
Diese Techniken zielen darauf ab, einen Fisch mithilfe eines lebenden oder künstlichen Köders an den Haken zu locken. Es gibt verschiedene Montagen:
- Die Schleppleine (die am Ende einer Angelrute oder am Heck des Schiffes geschleppt wird),
- Die Handleine (von Hand gezogen),
- Die Langleine (eine Leine mit zahlreichen Haken, die feststehend oder treibend sein kann),
- Der Stock.
Leinen und Ruten werden eingesetzt, um Fischarten zu fangen, die hauptsächlich im offenen Wasser leben, wie Thunfisch, Seehecht, Pollack, Makrele … Die Langleine kann am Meeresboden befestigt werden, um beispielsweise Rochen, Meeraale, Lengfische usw. zu fangen, oder an der Oberfläche, um Wolfsbarsch, Thunfisch und Schwertfisch zu fangen.
Die Fangmengen werden in der Regel lebend an Bord gebracht, wodurch eine hohe Qualität der Fische gewährleistet ist.
Was die Selektivität angeht, ermöglicht der Einsatz geeigneter Köder und Haken den Fang der Zielarten in der gewünschten Größe. In bestimmten Situationen begünstigen treibende Langleinen jedoch den unbeabsichtigten Fang anderer unerwünschter Arten, von Meeressäugetieren oder auch von Seevögeln (wie beispielsweise bei der Antarktischen Seehechtfischerei in der Antarktis). Derzeit werden zahlreiche Lösungen untersucht, um solche Zwischenfälle zu begrenzen: Vorrichtungen zur Abschreckung von Vögeln, Schweinswalen …
Die Zielarten für Reusen oder Fallen sind Krebstiere (Seespinnen, Hummer, Taschenkrebse …), Weichtiere wie Wellhornschnecken und Kopffüßer (Kraken, Tintenfische). Das Prinzip besteht darin, das Tier mit einem Köder anzulocken, der sich im Inneren einer Falle aus starren Rahmen befindet, die mit Drahtgeflecht oder Netzen bedeckt sind. Das Tier gelangt durch einen „Rinnen“-artigen Eingang hinein, aus dem es nur sehr schwer wieder herauskommt. Größe und Form der Reusen können je nach Zielart sehr unterschiedlich sein.
Der verwendete Köder hängt von der jeweiligen Zielart ab. Bei Berufsfischern wird die Reuse selten einzeln ausgebracht; in der Regel handelt es sich um mehrere Dutzend miteinander verbundene Fanggeräte, die als „Reusenfeld“ bezeichnet werden.
Da sie von den Fischern auf dem Meeresboden ausgelegt werden, haben sie in der Regel nur geringe Auswirkungen und ermöglichen es sogar, beim Einholen an Bord die kommerziell interessantesten Exemplare auszuwählen und die übrigen lebend wieder freizulassen.
Bei allen passiven Fanggeräten sind die Auswirkungen auf den Meeresboden gering oder gar nicht vorhanden. Der Verlust oder das Zurücklassen von Netzen, Leinen oder Reusen im Meer kann jedoch erhebliche Folgen für die Meeresumwelt haben. Denn diese „Geisterfanggeräte“ fischen nämlich weiter und stellen mittel- und langfristig eine Bedrohung dar.
Heutzutage beschränkt sich die Fischerei nicht mehr darauf, „mehr zu fangen, um mehr zu verkaufen“. Die Schwankungen der Fischbestände und des Dieselpreises wirken sich stark auf die Stabilität der Fischereiunternehmen aus. Zahlreiche Krisen der letzten Jahre zeigen, wie wichtig es ist, die Denkweise zu ändern. Ein Fischereibetriebsleiter muss heute die verschiedenen Aspekte der nachhaltigen Entwicklung berücksichtigen: Ökologie, Ökonomie und Soziales.
Je nach angewandter Fangtechnik kann der Energieverbrauch des Schiffes erheblich variieren. Der Ölpreis pro Barrel und die Einführung einer „Kohlenstoffsteuer“ sind wesentliche Faktoren für die Rentabilität des Schiffes. Heutzutage sind das Verhältnis zwischen Wert und Fangmenge sowie die Entfernung zwischen Fanggebiet und Ausgangshafen Parameter, die der Fischereikapitän direkt berücksichtigt, bevor er den Kai verlässt. Um weniger vom Ölpreis abhängig zu sein, werden bei neu gebauten Schiffen Alternativen in Betracht gezogen: Diesel-Elektro-Antrieb, energieeffizientere Fangtechniken (dänische Ringwaden …), hydrodynamische Rumpfgestaltung …
Aus wirtschaftlicher Sicht geht es heute nicht mehr darum, „mehr zu fischen“, sondern „besser zu fischen“. Die Qualität und die Verwertung von Meeresprodukten sind zwei Kriterien, die für die Branche mittlerweile von entscheidender Bedeutung sind. Seit einigen Jahren ist die Selektivität von Fanggeräten eines der zentralen Themen in der Forschung. Dabei werden verschiedene Techniken in Betracht gezogen: Maschenweiten, Fluchtklappen, neue Aufbauten, leistungsfähigere Sonare … Das Ziel besteht darin, die Arten und die Größe der Fische gezielter anzusprechen.
Im Hinblick auf die Produktqualität werden die Fischer zunehmend in den Kriterien der Frischeerhaltung geschult: Handhabung, Verpackung in Kisten, Vereisung … Bei den neuen Schiffen werden diese Schritte berücksichtigt, um den Wert der Meeresprodukte zu steigern. Die Entladung des Fangs wird optimiert, damit der Fisch so schnell wie möglich in einem Kühlbereich in Kisten verpackt wird. Der Laderaum wird optimal genutzt, um die Produkte bestmöglich zu konservieren, die je nach Fischerei zwischen einem und mehreren Tagen an Bord verbleiben können. Die Techniken entwickeln sich weiter: Flüssigeis anstelle von Eisflocken zum Umhüllen des Fisches, gleichmäßige Kühlung zwischen 0 und 2 °C … Das wirtschaftliche Ziel bleibt dasselbe: Produkte von bester Qualität verkaufen zu können, um auf der Fischauktion ein paar Cent mehr zu erzielen.
Was den sozialen Aspekt betrifft, geht es darum, die Schiffe so anzupassen, dass die Lebensbedingungen an Bord sowohl im Bereich „Fanggeräte/Sortierung/Laderraum“ als auch im Bereich „Kojen/Küche/Speisesaal“ verbessert werden. Die Sicherheit der Besatzung und die Ergonomie des Schiffes sind zu zwei wesentlichen Faktoren beim Schiffsbau geworden.