Kann man noch Meeresfrüchte essen? Ein Webinar im Rahmen der Europäischen Grünen Woche weist den Weg zu verantwortungsbewussteren Entscheidungen
Am 18. Juni 2025 organisierten die von der Europäischen Union finanzierten europäischen Projekte Mr.Goodfish 3.0 und VeriFish im Rahmen der Grünen Woche der EU und anlässlich des Welt-Tages der nachhaltigen Gastronomie gemeinsam ein Webinar mit dem Titel:
„Kann man noch Meeresfrüchte essen? Verantwortungsbewusster Konsum und verantwortungsbewusste Produktion von Meeresfrüchten, Süßwasserprodukten und Aquakulturprodukten zum Schutz der marinen Biodiversität.“
Das Webinar brachte Wissenschaftskommunikatoren, Projektkoordinatoren, Köche und Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette von Fischereierzeugnissen zusammen, um zu erörtern, wie verantwortungsbewusster Konsum heute aussehen könnte – und wie wir alle dazu beitragen können, die Art und Weise zu verändern, wie wir Fischereierzeugnisse fangen, produzieren, zubereiten und konsumieren.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Clara Boissenin, europäische Projektleiterin und Wissenschaftskommunikatorin bei Ecsite, die auch für die Kommunikation des Projekts Mr.Goodfish 3.0 verantwortlich ist. Clara eröffnete das Webinar, indem sie die Teilnehmer dazu einlud, typische Fisch- und Meeresfrüchtegerichte aus ihren Regionen vorzustellen, und hob damit die kulturelle Vielfalt der maritimen Essgewohnheiten in Europa hervor.
Vorstellung der Projekte: VeriFish und Mr.Goodfish 3.0
VeriFish
Sara Pittonet Gaiarin, Senior-Projektleiterin bei Trust-IT Services und Koordinatorin des VeriFish-Projekts, stellte diese Initiative vor, deren Ziel es ist, einen Rahmen für überprüfbare Nachhaltigkeitsindikatoren für aquatische Erzeugnisse zu schaffen. Diese Indikatoren decken drei große Kategorien ab:
- Umwelt (z. B. Bestandslage, Auswirkungen auf Lebensräume, Auswirkungen auf Ökosysteme)
- Ernährung und Gesundheit (z. B. Omega-3-Fettsäuren, Mikronährstoffe, Schadstoffe)
- Sozioökonomische Aspekte (z. B. Arbeitsbedingungen, Gleichstellung der Geschlechter, Wohlergehen der Gemeinschaft)
Derzeit wird ein Prototyp einer Webanwendung entwickelt, um Verbrauchern und Fachleuten den Zugriff auf zuverlässige Informationen zur Nachhaltigkeit und zum Nährwert der einzelnen Fischarten zu ermöglichen. Parallel dazu baut VeriFish eine Praxisgemeinschaft auf und lädt die Interessengruppen ein, gemeinsam pädagogische und digitale Tools zu entwickeln.
Mr.Goodfish 3.0
Hélène Buisson, Projektbeauftragte bei Nausicaá – Centre National de la Mer, stellte anschließend die Entwicklung des 2010 ins Leben gerufenen Programms Mr.Goodfish vor, das heute dank der Unterstützung durch das Programm „Horizon Europe“ unter dem Namen Mr.Goodfish 3.0 weiter ausgebaut wird.
Mr.Goodfish 3.0 zielt darauf ab, die saisonalen und nachhaltigen Empfehlungen auf Süßwasserarten, Aquakulturprodukte und alle europäischen Meeresgebiete auszuweiten. Das Projekt entwickelt:
- Eine neue mobile App für Verbraucher (Geolokalisierung, saisonale Empfehlungen, Rezeptideen)
- Eine professionelle Website mit Listen nach Fischarten/Meeresgebieten, Kommunikationsinstrumenten und einem Veranstaltungskalender
- Lokale Pilotprojekte in Frankreich, Norwegen und Zypern, mit geplanten Nachahmungsprojekten in Polen und Bulgarien
Das Programm arbeitet eng mit Köchen und der Gastronomiebranche zusammen, um wenig bekannte Fischarten in den Vordergrund zu rücken, Schüler an Hotelfachschulen zu sensibilisieren und Fachleute zu unterstützen, die sich für nachhaltigere Praktiken einsetzen.
Eine Podiumsdiskussion mit Fischern, Köchen, Ernährungswissenschaftlern und Bürgern
Im zweiten Teil des Webinars kam eine inspirierende Diskussionsrunde zu Wort, bestehend aus:
- Danielle Leoni, Küchenchefin und Beraterin für nachhaltige Ernährung
- Thilo Hanke, Küchenchef, Vizepräsident von Euro-Toques International und Präsident von Euro-Toques Deutschland
- Michelle Boonstra, Mitbegründerin der Catch Welfare Platform
- Frédéric Bayer, Leiter für Inhalte und Öffentlichkeitsarbeit bei EUFIC (Europäischer Rat für Ernährungsinformation)
Die Referenten betonten die dringende Notwendigkeit, unsere Ernährungsgewohnheiten angesichts der Herausforderungen durch Klimawandel, Überfischung und den Verlust der Artenvielfalt neu auszurichten. Sie betonten die Bedeutung von Transparenz, kulinarischem Storytelling, der Auswahl der Fischarten, der Verwertung des gesamten Produkts (Kopf, Gräten, Haut…) sowie einer bereichsübergreifenden Zusammenarbeit vom Fischer bis auf den Teller.
Wie Köchin Leoni es zusammenfasste:
„Ja, wir können weiterhin Meeresfrüchte essen, aber wir müssen es anders und gemeinsam tun.“
Kernbotschaften und nächste Schritte
Ja, wir können weiterhin Meeresfrüchte essen: sofern sie sorgfältig ausgewählt, nachhaltig produziert und zur richtigen Zeit am richtigen Ort gefangen werden.
Köche und Fischer sind Akteure des Wandels: Sie müssen unterstützt und gewürdigt werden.
Verbraucher benötigen klare, glaubwürdige und ansprechende Informationen.
VeriFish und Mr.Goodfish 3.0 entwickeln digitale Tools, Kampagnen und Leitfäden, um diesen Wandel zu erleichtern.
Politik, Bildung und Innovation müssen zusammenwirken, um eine nachhaltige, kreislauforientierte und gerechte aquatische Lebensmittelkette zu schaffen.
Um mehr zu erfahren und sich der Bewegung anzuschließen:
🔗 Mr.Goodfish-Website
🔗 VERIFISH-Website
Wählen wir die richtige Fischart, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort – für eine nachhaltige Zukunft auf unseren Tellern.