Am 12. Juni 2025 fand im Rahmen der Konferenz zur UN-Dekade für die Ozeane die virtuelle Nebenveranstaltung „Can We Still Eat Seafood? Verantwortungsvoller Konsum und verantwortungsvolle Produktion von Meeresfrüchten und Aquakulturprodukten zum Schutz der marinen Biodiversität“ statt, an der Experten, Innovatoren und Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette der Meeresfrüchte teilnahmen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von zwei durch „Horizon Europe“ finanzierten Projekten, Mr.Goodfish3.0 und VeriFish, organisiert, die beide Teil der EU-Mission „Wiederherstellung unserer Ozeane und Gewässer bis 2030“ sind. beschäftigte sich die Veranstaltung mit der entscheidenden Rolle fundierter Entscheidungen beim Kauf von Meeresprodukten für den Schutz der marinen Biodiversität und die Förderung resilienter Lebensgrundlagen der Küstenbevölkerung.
Sich in einer komplexen Wertschöpfungskette zurechtfinden
Angesichts des zunehmenden Drucks auf die Meeresökosysteme und des wachsenden öffentlichen Interesses an nachhaltiger Ernährung rückte das Webinar eine grundlegende Herausforderung in den Fokus: Wie können Verbraucher verantwortungsbewusste Entscheidungen beim Kauf von Meeresfrüchten treffen, wenn sie keinen Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen haben?
Die Referenten und Podiumsteilnehmer wiesen auf den dringenden Bedarf an transparenten, rückverfolgbaren und zugänglichen Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Meeresfrüchten hin. Sie erkannten zudem die Komplexität der Kennzeichnung von Meeresfrüchten an, insbesondere nach dem Fang bei Wildfängen, wo Lücken oft die Herkunft, die Handhabung und die Details zur Nachhaltigkeit verschleiern.
Zu unserer Diskussion, die von Clara Boissenin (europäische Projektleiterin bei Ecsite – The European Network of Science Centres & Museums) moderiert wurde, trugen folgende Personen bei:
- Sara Pittonet Gaiarin, Senior Manager bei Trust-IT Services
- Hélène Buisson, Projektbeauftragte für die „Mr. Goodfish Mission“ im Nausicaa Centre National de la Mer
- Alistair Lane, Geschäftsführer der Europäischen Gesellschaft für Aquakultur
- Siân Astley, Generalsekretärin bei EuroFIR AISBL
- Michelle Boonstra, Projektleiterin und Mitbegründerin bei Catch Welfare
Wichtigste behandelte Themen
Die Debatte brachte mehrere dringende Fragen ans Licht. Eines der Hauptanliegen war der Mangel an standardisierten und zuverlässigen Informationen für Verbraucher, die sich für nachhaltige Meeresprodukte entscheiden möchten. Dieses Thema steht in engem Zusammenhang mit den aktuellen Herausforderungen bei der Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung von Meeresprodukten, insbesondere in den Phasen nach der Ernte, in denen oft wesentliche Details zur Herkunft und Nachhaltigkeit verschleiert werden.
Die Teilnehmer betonten zudem die entscheidende Rolle einer verantwortungsvollen Aquakultur als Ergänzung zur Wildfischerei, zumal die Nachfrage nach Meeresprodukten weiter steigt. In diesem Zusammenhang wurde das Potenzial der Einbindung invasiver Arten in Nachhaltigkeitsstrategien für Meeresprodukte als ökologische und wirtschaftliche Chance untersucht. Die Branche steht zudem unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, der von steigenden Betriebskosten bis hin zur anhaltenden Wahrnehmung von Meeresprodukten in der Öffentlichkeit als teure Proteinquelle reicht.
Gleichzeitig wird zunehmend anerkannt, dass Tierschutzaspekte in die Praktiken der Aquakultur und Fischerei integriert werden müssen, damit Nachhaltigkeit über die ökologischen Auswirkungen hinausgeht.
Eine weitere behandelte Herausforderung war die mangelnde Kenntnis der Öffentlichkeit über wenig genutzte und alternative Meeresfrüchtearten, was sowohl ein Hindernis als auch eine Chance für nachhaltigere Konsumgewohnheiten darstellt. All diesen Fragen liegt die transformative Kraft des Verbraucherverhaltens zugrunde: Sind die Verbraucher richtig informiert und unterstützt, können sie zu einer wesentlichen Triebkraft für den Wandel im gesamten System der Meeresfrüchte werden.
Unsere freiwillige Verpflichtung
Die Veranstaltung endete mit der Bekanntgabe der freiwilligen Verpflichtung zur Umsetzung des Ziels für nachhaltige Entwicklung 14 (SDG 14) durch Daniel Hayes, Leiter der Meeresforschung am Zyprischen Institut für Meeres- und Seewissenschaften und Koordinator von Mr.Goodfish3.0, im Namen beider Projekte.
In seinen abschließenden Bemerkungen konzentrierte er sich auf die gemeinsamen Anstrengungen und die durch die Projekte geschaffene Dynamik und hob hervor, wie deren Zusammenarbeit zu einem verantwortungsvolleren Konsum und einer verantwortungsvolleren Produktion von Meeresprodukten in Europa beiträgt:
- Verbesserung der Transparenz und Rückverfolgbarkeit: Entwicklung und Harmonisierung überprüfbarer Datensysteme entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Meeresfrüchten, auch nach dem Fang.
- Befähigung der Verbraucher: Nutzung digitaler Instrumente und Aufklärung, um das Bewusstsein für nachhaltige und weniger bekannte Meeresfrüchtearten zu schärfen.
- Gemeinsame Gestaltung fördern: Fischer, Aquakulturbetreiber, Wissenschaftler und Verbraucher in die Entwicklung von Instrumenten, Strategien und Kampagnen einbeziehen.
- Verantwortungsvolle Aquakultur unterstützen: Innovationen in den Bereichen Tierschutz, Futteralternativen und Kreislaufsysteme fördern, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.
- Lokalen und saisonalen Verzehr fördern: Wissenschaftliche Empfehlungen bereitstellen, die auf regionale Ökosysteme und kulturelle Gewohnheiten zugeschnitten sind.
- Das Wissen über die Ozeane und das Engagement junger Menschen verbessern: Schulen, soziale Medien und öffentliche Kampagnen nutzen, um eine neue Generation gut informierter Verbraucher von Meeresprodukten heranzubilden.
Ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln
Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Schutz der Ozeane nicht bedeutet, auf Meeresfrüchte zu verzichten, sondern dass bessere Entscheidungen getroffen werden müssen – basierend auf fundierten Informationen, gemeinsamer Innovation und geteilter Verantwortung. Dank Initiativen wie Mr.Goodfish 3.0 und VeriFish werden neue Instrumente und Erkenntnisse entwickelt, um Verbrauchern, Produzenten und politischen Entscheidungsträgern dabei zu helfen, im Interesse der Menschen und des Planeten zu handeln.
Um unsere ursprüngliche Frage zu beantworten: „Können wir noch Meeresfrüchte essen? Aber wie wir im Laufe unserer Diskussion deutlich festgestellt haben, prägen die bewussten Entscheidungen von heute den Ozean der Zukunft: Die bewussten Entscheidungen von heute prägen den Ozean von morgen.